14. Oktober 2019

AKTUELLES

Solidarität siegt!

„Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt,“ wusste schon Wilhelm Tell im gleichnamigen Drama von Friedrich Schiller. Ein solches Drama hat sich auch im kleinen Aistersheim abgespielt, bei dem der große Gemeinschaftsgeist gegen die Willkür eines Schlossherrn siegte.


Das nennt man Solidarität! Gemeinsam gingen Freunde und Nachbarnmit Spaten und Schaufeln ans Werk, um gegen alle Willkür des Schlossbesitzers die rechtmäßige Mauer als Schutz gegen Überflutungen zu errichten. Auch von einem extra aufgestellten Maschendrahtzaun ließ man sich nicht kleinkriegen.Es wurde eindrucksvoll gezeigt, dass man miteinander mehr erreicht als gegeneinander. Gemeinschaft ist wichtiger als jahrelange Gerichtsverfahren.

Alles begann vor 3 Jahren: Um sich vor Wasser zu schützen, das bei stärkerem Regen über eine anliegende Schotterstraße bis in den Keller geflossen ist, beschloss eine Aistersheimer Familie, den Kellerschacht und das umliegende Gelände ihres Grundstückes etwas zu erhöhen – gefehlt hat nun nur noch eine 60 cm hohe Stützmauer. Obwohl die Verantwortung für die Abhaltung des Wassers beim Grundnachbar – dem Schlossbesitzer – gelegen wäre, nahm sich die Familie des Problems selbst an und ersuchte für den Bau einer Fertigteilmauer auf eigenem Grund um kurzzeitige Benützung der nachbarlichen Schotterstraße.
Trotz mehrerer schriftlicher und mündlicher Ersuchen erhielt man jedoch keine Einwilligung des Nachbarn. Schließlich wurden vom Bürgermeister, dem Gemeinderat und vom OÖ-Landesverwaltungsgericht Bescheide auf Grundlage der OÖ-Bauordnung erlassen. In allen Instanzen bis zum Verwaltungsgerichtshof wurde - trotz Einsprüchen des Nachbarn - der Familie das Recht auf die kurzzeitige Benützung des Nachbargrundes zugesprochen.
Kurz vor Baubeginn kam die nächste Überraschung: Auf der Schotterstraße wurde ein 25 Meter langer Maschendrahtzahn entlang der geplanten Mauer errichtet. Davon ließ man sich aber nicht einschüchtern. Kurzentschlossen halfen viele Freunde und Nachbarn zusammen, und erledigten gemeinsam die Grabungsarbeiten. Jetzt steht die Mauer!