14. Oktober 2019

AKTUELLES

Kritik an Umschulung von Linkshändern:

„Eingriff ins Gehirn ohne Blutvergießen“


Juristisch gesehen gilt das Umschulen von Kindern heute als Körperverletzung. Es ist viel mehr als eine pädagogische Maßnahme, denn Hände und Gehirn sind eng verbunden, und das Schreiben ist die komplexeste manuelle Tätigkeit. „Die Umschulung auf die nicht dominante Hand ist ein massiver Eingriff ins Gehirn ohne Blutvergießen. Es kommt zu einer Kompetenzverschiebung zwischen der dominanten Gehirnhälfte, die darf nicht reagieren, und die nicht dominante muss reagieren,“ erklärt die Münchner Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Johanna Barbara Sattler.
„In Oberösterreich werden noch immer etwa 20 Prozent der Linkshänder umgeschult, denn nur zehn Prozent der Volksschüler schreiben links, obwohl etwa ein Drittel linkshändisch veranlagt ist“, kritisiert Günther Waldenberger aus Tollet. Der 59-Jährige ist Geschäftsführer der „Gesellschaft umgeschulter Linkshänder“, die er 2017 als gemeinnützigen Verein gegründet hat. (Lesen Sie dazu auch den „Landler des Monats“ auf dieser Seite.)
Der Verein kämpft dafür, dass Linkshänder Linkshänder bleiben, „denn unter den Umgeschulten gibt es weniger Maturanten und mehr Schulabbrecher,“ so Waldenberger. Die Umschulung führe oft zu Konzentrationsstörungen, Blockaden, Depression, Stammeln oder Stottern, sie kann unter anderem Herzprobleme, Bluthochdruck und HNO-Probleme auslösen.
Die Störungen wirken häufig im Erwachsenenalter fort, weshalb der Verein Rückschulungen anbietet, die zehn Wochen lang jeweils zwei Stunden pro Woche dauern. Anmeldungen und Infos unter 0699/11161177, office@ waldi.at oder www.gesulh.at.