07. Dezember 2019

AKTUELLES

Trattnach zu warm

Die nächste Hiobsbotschaft im Sog des Klimawandels mit zunehmender Hitze und Trockenheit: Der Wildfischbestand in Oberösterreich ist massiv gefährdet. Den Tieren wird es in unseren Gewässern zu warm. Ein besonderes Sorgenkind ist die weitgehend verbaute Trattnach. Sie braucht dringend mehr Uferbewuchs, der den Fischen Schatten spendet.


Die Trattnach weist auch im Bereich von Wallern nur noch spärlichen Uferbewuchs auf. Für Fische gibt es kaum Schatten. Foto: Gerhard Anzinger

Kraftwerke, Flussregulierungen, Kormoran, Gänsesäger und Fischotter machten schon bisher den Fischen das Leben nicht leicht, doch nun gibt es einen weiteren Todfeind: die Erwärmung der Gewässer. Forellenartige und barschartige Fische leiden besonders darunter.
Innerhalb von 40 Jahren ist in weiten Teilen unseres Bundeslandes die Wassertemperatur um zwei Grad angestiegen. Bis 2050 wird ein weiterer Anstieg um rund 2,8 Grad prognostiziert.
Vielen Fischarten ist es schon jetzt in unseren Gewässern zu warm. Dazu gehören zum Beispiel die Bachforelle, der Seesaibling und der Zander, deren Lebensraum nicht viel mehr als 20 Grad verträgt. Sie flüchten, wo es geht, quellwärts in kälteres Wasser. In vielen Flußunterläufen findet man daher keine Forellen mehr, ihre natürliche Reproduktion ist dort tot. Das gilt beispielsweise für die Krems, wo heuer 27 Grad gemessen worden sind.
Auch die 40 km lange Trattnach, die in Geboltskirchen entspringt und in Scharten in den Innbach mündet, gibt Grund zur Sorge. Sie weist nur noch im Oberlauf und auf den letzten Kilometern unterhalb von Wallern einen relativ naturnahen Zustand auf. Hochwasserschutzmaßnahmen wie das Rückhaltebecken in Leithen an der Gemeindegrenze von Geboltskirchen und Weibern, Verbauungen und Begradigungen machten aus dem Fluss ein kanalartiges Gerinne, das fast keine Ufervegetation mehr aufweist und sich deutlich erwärmt.
„In Hochwasserabflussbereichen ist landesweit Bewuchs seit Jahrzehnten verboten. Das ist überholt“, kritisiert Landesfischereimeister Siegfried Pilgers­torfer. Die erste Erste-Hilfe-Maßnahme wären Ufer-Aufforstungen. „Der erste Tag, an dem mit Baumpflanzungen begonnen wird, ist der beste,“ so Pilgerstorfer: „Die Fische brauchen dringend mehr Baumbestand, um darunter Schatten und etwas Abkühlung zu finden.“
 Aus dem kürzlich vorgestellten „Regionalprogramm zum Schutz von Oberösterreichs schönsten Gewässerstrecken“ geht hervor, dass nur noch 3,6 Prozent der heimischen Gewässerstrecken einen sehr guten ökologischen Gesamtzustand aufweisen (österreichweit 19 Pozent), nur 9,4 Prozent der Strecken sind noch weitgehend naturbelassen.  Für diese Erhebung wurden in dreijähriger Arbeit 1.240 Flusskilometer untersucht.