07. Dezember 2019

LANDLER/IN DES MONATS

Josef Haidinger


St. Agatha kann stolz sein. Es ist wohl die einzige Gemeinde, die über eine Ortschronik in Form von Miniaturen verfügt. Und die verdankt sie dem Geschick, Fleiß und Ideenreichtum von Josef Haidinger. Der ehemalige Landesbedienstete im Hydrographischen Dienst besann sich mit Pensionsantritt seiner erblichen Wurzeln. „Mein Vater war Hilfszimmerer und hat viel mit Holz gearbeitet,“ erzählt der 82-Jährige. Sein handwerkliches Geschick wurde Josef in die Wiege gelegt. Und Ehefrau Maria steht diesbezüglich ihrem Gatten um nichts nach. Gemeinsam haben sie vorwiegend in Handarbeit ihr eigenes Haus gebaut. Und dieses Wohnhaus war auch eines der ersten Objekte, die Josef Haidinger in Miniaturausführung original- und maßstabgetreu 40 x 35 cm groß nachgebaut hat. Und das gleich fünf Mal. Als Geschenk für seine vier Töchter und seinen Sohn. Auch das einstige Elternhaus Haidingers gibt es als Erinnerungsmodell. Ein großer Vierkanter in Fraham wurde auf diese Weise ebenfalls verewigt.
Dann konzentrierte sich der Hobbybaumeister auf Gebäude seiner Heimatgemeinde: Das 2007 abgerissene Gemeindeamt besteht dank seiner Baukunst als Anschauungsobjekt weiter; die Pfarrkirche hat er zweimal „reproduziert“, einmal sogar mit Läutwerk und Bestuhlung, die man bestaunen kann, weil das Dach abnehmbar ist. Dieses Meisterstück steht im Wohnzimmer der Familie Haidinger. Bis zu 700 Arbeitsstunden sind dafür draufgegangen. Als helfende Hand immer dabei Ehefrau Maria, die auch als Korbflechterin und Weberin von Teppichen und Hängesesseln glänzt, natürlich auf einem Webstuhl, den ihr Gatte Josef gefertigt hat. Bei Feinarbeiten ist ihre tatkräftige Unterstützung mittlerweile besonders gefragt, „weil meine Hände schon sehr zittern,“ sagt Josef.
Bei den 24 nachgebauten Agathenser Kapellen merkt man davon nichts. Sie sind makellos. Als Vorlage dienten Fotos und genaue Vermessungen der Originale. Zwei Kapellen sind noch in Haidingers Werkstatt in Arbeit. Dann ist diese einzigartige Form regionaler Zeitgeschichte komplett. Zu sehen ist sie im Foyer des Gemeindeamtes. „Bis auf Widerruf,“ lacht Baumeister Haidinger.