22. November 2019

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Schimmelpilzvergiftungen bei Kaninchen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Bei Hauskaninchen mit herkömmlicher Fütterung sind Vergiftungen durch verschimmeltes Futter häufiger als allgemein angenommen wird. Infolge unsachgemäßer Lagerung von Fertigfuttermitteln dürfte die Bedeutung von Schimmelpilzintoxikationen in größeren Beständen ebenfalls zunehmen. Bei unklaren Ausfällen bzw. Verlusten sollte man dieser Frage mehr Aufmerksamkeit schenken. So sind heute eine Anzahl von Aspergillus- und Fusarium-Arten bekannt, die Toxine unterschiedlicher Giftigkeit bilden.

Der Krankheitsverlauf ist sehr vielgestaltig und wenig charakteristisch. Es können Speichelfluss, Fresslust, Kolik, Verstopfungen oder Durchfälle beobachtet werden. In anderen Fällen stehen Reiz- und Lähmungserscheinungen im Vordergrund, vor allem Schreckhaftigkeit, Zittern, unkoordinierte Bewegungen, Krämpfe, Apathie.
Die vielfältigen Krankheitserscheinungen lenken den Verdacht meist auf andere Erkrankungen, so dass eine eingeleitete Therapie nicht ursächlich wirken kann.
Der Zerlegungsbefund kann entsprechend dem vorherrschenden klinischen Bild sehr verschiedenartig sein. Häufig liegt eine katarrhalische, zum Teil blutige Gastroenteritis vor. Weiter finden sich deutliche degenerative Schäden, insbesondere in Form einer degenerativen Leberverfettung und einer Herzmuskeldegeneration. Relativ häufig ist auch eine Blasenentzündung zu beobachten, wobei der Harn sehr trüb, teilweise blutig-braun erscheint.

Besteht Verdacht auf das Vorliegen einer Schimmelpilzvergiftung, so ist wie bei jeder anderen Futterintoxikation sofort das Futter abzusetzen und nach Abklingen der akuten Erscheinungen eine Futterumstellung vorzunehmen. Man geht im Allgemeinen so vor, dass den Tieren für 1 bis 2 Tage kein Futter gereicht wird und dann mit gutem Wiesenheu die Fütterung langsam wieder einsetzt. Entsprechend den Krankheitserscheinungen sollten bei starker Störung des Allgemeinbefindens Kreislaufmittel, bei Übererregungszuständen Sedativa gegeben werden.

Für alle Vergiftungen gilt, dass der Nachweis chemischer bzw. toxisch wirkender Substanzen nur in Speziallaboratorien veterinär-medizinischer Untersuchungsstellen möglich und meist mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden ist.
Wird das Vorliegen einer Vergiftung festgestellt, sind Tiere unter vergiftungsähnlichen Erscheinungen erkrankt, sprechen die Zerlegungsbefunde für eine Vergiftung oder besteht ein begründeter Vergiftungsverdacht, so sind die Tiere als Genuss untauglich zu beurteilen und unschädlich zu beseitigen.