07. Dezember 2019

GESUNDHEIT

KOLUMNE von Mag. Wolfgang Rizy

Pneumokokken-Impfung


Kontakt: 07248/62661, office@rizy.at

Was sind Pneumokokken? Dabei handelt es sich um Bakterien, die den Nasen- und Rachenraum besiedeln und durch Tröpfcheninfektion - also beim Niesen, Husten oder Sprechen - übertragen werden. Rund die Hälfte aller Menschen trägt solche Keime in sich, die bei gesunden Personen allerdings keine Erkrankung hervorrufen. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, können die Pneumokokken gefährliche Entzündungen auslösen. Ein besonderes Risiko besteht demnach für Kleinkinder, ältere Menschen, Diabetiker, chronisch Kranke (Asthma, COPD), Krebs- und Transplantationspatienten, HIV-Erkrankte sowie für Personen mit Bluthochdruck, Nieren- oder Leberleiden, starke Raucher und Alkoholiker.
Die Auswirkungen einer Infektion mit den Erregern können ganz unterschiedlich sein und von einer Mittelohrentzündung über Lungen- und Rippenfellentzündungen bis hin zu einer Blutvergiftung oder Gehirnhautentzündung reichen und somit unter Umständen auch tödlich enden. Auf jeden Fall sind jedoch bleibende Folgeschäden (Hörverlust, Entwicklungsschwäche, Konzentrationsprobleme) möglich.
Bei einer Pneumokokken-Impfung geschieht Folgendes: Nicht mehr vermehrungsfähige Bestandteile des Erregers werden in Form einer Injektion in den Körper gebracht. Diese sogenannten Totimpfstoffe sind Kapselpolysaccharide mit der charakteristischen Oberflächenstruktur des Bakteriums. Unser Immunsystem erkennt diese Eindringlinge und produziert Antikörper, um sie zu bekämpfen. Es lernt also praktisch am ungefährlichen Erreger die optimale Verteidigung und kann diese im Ernstfall anwenden. Erfolgt nun eine Pneumokokken-Infektion, stehen die Antikörper bereits parat, machen die Bakterien unschädlich und verhindern somit den Ausbruch von möglichen Erkrankungen.
In Österreich sind mehrere verschiedene Impfstoffe erhältlich: der unkonjugierte, also nicht an ein Protein gebundene Impfstoff „Pneumovax 23®“ sowie die konjugierten Impfstoffe „Prevenar 13®“ und Synflorix®“. Erstgenannter enthält 23 unterschiedliche Typen der Kapselpolysaccharide und kann so 90 Prozent aller von Pneumokokken ausgelösten Erkrankungen vorbeugen. Allerdings nicht bei Kleinkindern, da diese Art der Immunisierung erst ab dem 2. Lebensjahr wirkungsvoll ist, weil das Abwehrsystem der Kleinsten noch nicht ausreichend darauf reagieren kann. Um auch ihnen einen entsprechenden Schutz zu verleihen, wird der Impfstoff mit einem speziellen Stoff verbunden („konjugiert“), um die Immunantwort zu verbessern. „Synflorix®“ enthält 10 Typen von Kapselpolysacchariden und deckt 50 Prozent der bei Kleinkindern vorkommenden Pneumokokken-Stämme ab, „Prevenar 13®“ enthält 13 Typen, wirkt gegen 70 Prozent aller diesbezüglichen Stämme und ist auch für Erwachsene zugelassen.
Hier gibt es unterschiedliche Vorgaben, die eine optimale Immunisierung garantieren. So sollten z. B. Erwachsene ab dem 50. Lebensjahr zuerst den 13-Typen-Impfstoff erhalten und nach einem Jahr den mit den 23 Typen. Nach dem aktuellen Wissensstand ist danach der bestmögliche Schutz gegeben und eine Auffrischung nicht mehr nötig.